Crewe

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Crewe ist eine Stadt in der Großbritannien und Nordirland|britischen Grafschaft Cheshire und Verwaltungssitz des Distrikts Crewe and Nantwich. Der etwa 45 km süd-/südwestlich von Manchester gelegenene Ort entstand erst im 19. Jahrhundert, wuchs jedoch in Folge zu einem der britischen Zentren der Automobilfertigung und Schienenfahrzeugindustrie.

Geschichte

Stadtgründung und -entwicklung im 19. Jahrhundert

Bis in das 19. Jahrhundert befanden sich auf dem Gebiet des heutigen Orts Crewe lediglich einzelne Bauernhöfe, die den Gemeinden Monks Coppenhall und Nantwich zugeordnet waren. Die Adelsfamilie Crewe besaß einen großen Teil des Landes und residierte in "Crewe Hall", einem heute im Stadtgebiet gelegenen,1615-1636 erbauten Herrenhaus. 1831 lebten etwa 70 Personen auf dem heutigen Stadtgebiet.

In den 1830er-Jahren baute die Grand Junction Railway (GJR) eine Bahnstrecke zwischen Dallam bei Warrington (Warrington) & Birmingham, um eine Verbindung zwischen der Liverpool and Manchester Railway (LMR) und der London and Birmingham Railway (L&BR) herzustellen. Die am 4. Juli 1837 eröffnete Verbindung wurde als Durchgangsstrecke konzipiert; der Anschluß von Orten in der Region spielte keine große Rolle. So wurde die Stadt Wolverhampton im Abstand von etwa einem Kilometer umgangen. An Nantwich führte die Bahntrasse einige Kilometer östlich vorbei. Dort entstand an der Kreuzung mit einer Fernstraße eine Bahnstation, die nach dem Verkäufer der dortigen Grundstücke mit dem Namen "Crewe" benannt wurde. Kurze Zeit später wurde der Bahnhof Crewe zum Verknüpfungspunkt neu entstandener Bahnstrecken nach Manchester sowie Chester (England) und Holyhead , Ausgangspunkt einer Fährverbindung nach Dublin.

Der Grundstein für den heutigen Ort Crewe wurde 1842 gelegt, als die Grand Junction Railway entschied, ihre Hauptwerkstätte von Liverpool nach Crewe zu verlegen. Als Wohnort für das Personal von Werkstatt, Bahnhof und Zügen entstand eine eigene Stadt, die nach der Bahnstation "Crewe" genannt wurde.

In den folgenden Jahren wuchs die neu entstandene Stadt rapide - so lebten 1871 bereits 40.000 Einwohner in Crewe. Die Eisenbahn - seit 1846 in Form der London and North Western Railway Company (LNWR), die durch die Fusion der GJR mit der LMR und L&BR entstanden war - und damit verbundene Industrien spielten dabei die entscheidende Rolle. So wurde in den 1863 die Fertigung neuer Lokomotiven für die GJR, die bis dato auch in Wolverton (heute Teil von Milton Keynes erfolgte, in Crewe konzentriert. Zur Versorgung der Bahnwerkstatt entstand etwa zeitgleich auch ein Stahlwerk in Crewe, das als erstes britisches Stahlwerk dasBessemer-Verfahren im großen Stil anwandte.

Crewe Hall

Das Herrenhaus "Crewe Hall" wurde 1936 vom letzten Lord Crewe in Ermangelung potentieller Erben im Familienkreis an den Staat übertragen. Während des zweiten Weltkriegs wurde die Anlage zunächst zur Unterbringung britischer und amerikanischer Truppen, anschließend als Lager für deutsche Kriegsgefangene mit Offiziersrang genutzt. Nach dem Krieg wurde "Crewe Hall" an verschiedene Privatunternehmen vermietet und schließlich 1998 verkauft. Heute beherbergt das Herrenhaus ein Luxushotel.

Schienenfahrzeugbau im 20. Jahrhundert

Die Eisenbahnwerkstätten von Crewe behielten ihre herausragende Stellung auch, nachdem die London and North Western Railway Company (LNWR) 1923 Teil der London, Midland and Scottish Railway wurde und diese wiederum 1948 als Teil von British Rail verstaatlicht wurde. 1970 wurde Schienenfahrzeugbau und -instandhaltung von British Rail in das staatliche Unternehmen British Rail Engineering Limited (BREL) ausgegliedert. 1989 wurden wesentliche Teile von BREL, einschließlich des Werks Crewe, privatisiert. Das Schienenfahrzeug-Werk Crewe ist heute ein Standort von Bombardier Transportation.

In Crewe entstanden zahlreiche Schienenfahrzeuge, die den Betrieb von British Rail prägten. Dazu zählen beispielsweise wesentliche Komponenten der erfolgreichen britischen Intercity 125 High Speed Trains, aber auch der nie über das Experimentalstadium hinausgekommene Hochgeschwindigkeits-Neigezug APT. Heute spielt der Neubau von Schienenfahrzeugen in Crewe kaum mehr eine Rolle; der Standort wird vor allem zur Instandhaltung und Reparatur genutzt. Teile der Anlagen wurden aufgegeben, die Mitarbeiterzahl von einst 20.000 über die Jahrzehnte auf rund 700 reduziert.

Rolls-Royce und Bentley

1938 errichtete Rolls-Royce das Werk "Pyms' Lane" in Crewe, das zunächst nur Motoren - insbesondere für das britische Militär - produzierte. Nach dem zweiten Weltkrieg nahmen sowohl Rolls-Royce als auch dessen Tochterunternehmen Bentley die Produktion von zivilen Automobilen wieder auf und konzentrierten diese auf das Werk Crewe.

1998 wurden die Unternehmen Rolls-Royce Motor Cars und Bentley samt deren Werk Crewe durch den Volkswagen AG-Konzern übernommen, allerdings ohne die Rechte an der Marke "Rolls-Royce ", die BMW erwarb. Die beiden Automobilkonzerne einigten sich in Folge darauf, bis Ende 2002 PKWs beider Marken unter Verwendung von BMW-Teilen unter Volkswagen-Regie in Crewe zu bauen und die beiden Marken anschließend zu trennen. Seit 1. Januar 2003 entstehen Rolls-Royce-PKW in Goodwood (Sussex), während in Crewe nur mehr Bentley ansässig ist. Das Werk war 1005 dennoch voll ausgelastet; die Nachfrage überstieg die maximal mögliche Produktion von 4.500 PKW pro Jahr deutlich.

Verkehr

Crewe ist ein bedeutender Eisenbahn-Knotenpunkt und verfügt über direkte Zugverbindungen in einen Großteil der britischen Ballungsräume. Der Ort wird im Schienen-Personenverkehr von den Bahngesellschaften Arriva Trains Wales, Central Trains, Northern Rail sowie Virgin Trains ("Virgin West Coast" und "Virgin Cross Country") angefahren.

Auf der Straße ist Crewe über den Motorway M6 erreichbar, der den Ort einige Kilometer nördlich bzw. östlich tangiert und mit diesem über die Fernstraßen A530 und A534 verbunden ist.